Kleine Akzentverschiebung mittels Ausschnitt in TAZ und SPON

So war es bei Spiegel Online am 26.01. zu sehen. „Gute Nacht Frau Merkel“. Könnte man als freundlichen Wunsch aus Griechenland interpretieren. Angesichts des Wahlergebnisses dürfte es nicht wenigen Menschen wie mir gegangen sein und das Plakat der fröhlichen Griechin wurde eher als ein „Guten Nacht für die Merkel-Politik“ gelesen.

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Abends bin ich dann über das Bild in der TAZ gestolpert. Und da lese ich doch tatsächlich die „kleine Unterschlagung“ des Spiegels. Die Überschrift „Das ist eine wirklich“ stellt die Botschaft  zwar nicht auf den Kopf aber gibt ihr doch einen erheblich weniger agressiven Anstrich als die – vermutlich gewollte – Zuspitzung von Spiegel Online. Lügenpresse light?!

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Bilder hinterfragt: McAllister Wahlplakat in Niedersachsen 2012

McAllister_Wahlplakat

Wie schön: Wahlkampfzeit. Eine exzellente Gelegenheit, sich an verlogenen Bildaussagen zu erfreuen. Fotos, die sich mit darüber gelegten Textaussagen an die Augen heranwanzen und oft von einer wunderbaren, unfreiwiligen Komik sind. In diesem Fall geht es um Herrn McAllister im Landtagswahlkampf Niedersachsen 2013.

Der Slogan “In guten Händen” wird mit einem Handschlag bebildert. Der Symbolkraft dieses Handschlags wird jedoch nicht recht getraut und daher wird die Geste mit dem Pferdchen aus dem Landeswappen und dem CDU-Logo zugekleistert. Eine eher weise Entscheidung, denn dieser Händedruck ist nichts als eine hohle Geste, vor allem in Kontext des Blicks von McAllister. Der zielt keineswegs auf ein Gegenüber, sondern ins Weite. Sollte jemand mit einem solchen Blick jemals Ihre Hand schütteln, so können Sie gewiss sein, dass derjenige mit seinen Gedanken irgendwo, mit Sicherheit nicht bei Ihnen ist.

In diesem Fall mag der Blick auf das große Ziel des Wahlsiegs gerichtet sein, und der geht ins Leere.

Dazu passend das Zahnpasta- tja, soll man es wirklich “Lächeln” nennen? Wir sehen das Paradebeispiel eines klassischen Politikerlächelns ohne Bezug zu einer Situation, dafür mit Beteiligung gerade einmal der allernötigsten Gesichtsmuskeln rund um den Mund herum, um wenigstens ein lächelähnliches Ergebnis zu erreichen. Es ist die Sorte “Lächeln”, die schneller verlischt als das Fotolicht abgeschaltet ist.

Apropos Fotolicht: gut ausgeleuchtet ist das Bild schon. Das Gesicht gut konturiert und ordentlich schmal gehalten durch das seitlich von hinten plazierte Effektlicht; der Schädel durch ausgewogenes Spiel mit Schärfe und Unschärfe gegen den Hintergrund abgehoben und das Gesicht mit einem gut plazierten Hauptlicht ausgezeichnet ausgeleuchtet. Handwerklich tadellos gemacht. Trotzdem unterstützt auch die Lichtinszenierung nicht mehr als eine künstliche Stimmung, die vor allem eine Botschaft transportiert: wir haben es mit einem aalglatten Politiker zu tun, der weit entrückt von normalen Bürgern (ja,ja was immer das sein mag) agiert.

Ganz wesentlich zu diesem Politikerbildnis trägt eine Darstellung bei, von der schwer zu sagen ist, ob sie eher mit Schminke oder mit Photoshop-Nachbearbeitung erzeugt wird. „Makellosigkeit“ ist die angestrebte Bildwirkung. Da ist alles wohlkonturiert, die Lippen glänzen leicht glossig, die Zähne leuchten weiß ins Land, die Haut hat einen Teint um den viele junge Mädchen Herrn McAllister beneiden mögen. Ein Model im Business-Look, nur dass die Fotografen solcher Business-Situationen längst wissen, wie wichtig es ist, einen natürlichen Schein zu bewahren.

Dieses Wahlkampf-Motiv von David McAllister wird als Riesenplakat in Niedersachsen auf einer Fläche von satten 224 Quadratmetern abgebildet und es atmet mehr als einen Hauch von Nordkorea. Der große Führer Kim McAllister blickt ins Land seiner Untertanen. Ein potemkinscher Politiker, hinter dessen maskenhafter Fassade man bestenfalls ein großes Nichts erwartet und in dessen “gute Hände” ich persönlich nicht fallen möchte.

Bildbesprechung: Schnell reagiert…

hat das Unternehmen Conrad und scheinbar einen freizeitfröhlichen Herrn Steinmeier in einer Anzeige unter dem Motto “Endlich Freizeit” plaziert. Das Wahlergebnis vorausschauend dürfte der Web-Clip in der Schublade schlummernd auf sein Auftritt gewartet haben.

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Auf den ersten Blick: Klar, das ist Herr Steinmeier. Aber man darf getrost davon ausgehen, dass es viele optische Steinmeiers gibt und insofern ist das wirklich clever gemacht: Ein weißhaariger älterer Herr, optisch als Noch-Vizekanzler herausgeputzt, mit dem passenden Slogan versehen – und schwupps ist das erwünschte Bild im Kopf des Betrachters zusammengepuzzelt.

Chapeau, liebe Kreative! Und das Ganze ist vermutlich auch noch legal.

Dass bei SPON die gute Angela wohlwohlend beim luftigen Spiele zuschaut mag reiner Zufall sein oder aber subtiler Humor und freundliches Zusammenspiel von Redaktion und Anzeigenabteilung