Mattscheibe

Mit Spiegelreflexkameras fotografiere ich seit 30 Jahren. Die erste war eine Pentax MX, eine großartige Kamera, die mittlerweile zwar in einem Regal vor sich hin dämmert aber die grundlegenden Funktionen einer Kamera: Schärfe eintstellen, Blende wählen, Zeit wählen perfekt beherrschte. Ein Gerät mit dem man mit etwas Erfahrung auch ohne Strom problemlos auf Silberfilm Bilder bannen konnte. Aber genug der Nostalgie.

Tatsächlich bin ich über die Jahrzehnte auch mit zunehmender Professionalisierung der Marke Pentax treu geblieben. Zum einen, weil sie auch zu Zeit der digitalen Spiegelreflexkameras kleine feine mit sinnvollen Menüs strukturierte Kameras bauten viel mehr aber noch, weil sie es schafften, das berühmte K-Bajonett bis in die heutige Zeit zu retten. Und so ist es möglich, auch heute noch mit mit dem ersten, 30 Jahre alten 50mm zu fotografieren – ganz genau wie damals: Schärfe einstellen, gewünschte Blende wählen, Belichtung manuell messen und fertig. Dass sie es bis ins Jahr 2014 nicht geschafft haben eine Vollformat-Kamera auf den Markt zu bringen – schade – aber geschenkt, der Megapixelwahn macht immer noch keine guten Bilder.

Weitaus mehr stört mich, dass die Qualität der Mattscheiben in den SLRs von Pentax außerordentlich mickrig ist. Natürlich sind die Gestrigen, wie der Autor dieser Zeilen, die nach wie vor mit manuellen Objektiven arbeiten, als Zielgruppe längst aus dem Fokus verschwunden und ganz klar: ein präziser, schneller Autofokus hat seine Vorteile. Nur: warum dann noch diese aus der Zeit gefallene Technik der Mattscheibe nur noch halbherzig verfolgen? Die Zeiten, als man ohne Stromversorgung immer noch ein Bild aufnehmen konnte sind ohnehin vorbei, die Möglichkeiten, die elektronische Sucher heutzutage bieten, mit schnellzooom-Option und recht klaren übersichtlichen Vorschau-Bildern kratzen schon längst an den Vorteilen des optischen Spiegelreflexbilds. Schaut man sich die rasante technische Entwicklung an, dann ist auch hier das Bessere der Feind des Guten und die klassische Spiegelreflextechnik wird verschwinden.

Fotografen, die das Prinzip der Mattscheibe vielleicht sogar von Plattenkameras oder aus dem Mittelformatbereich kennen, werden das vermissen. Das Fokussieren mit diesen Werkzeugen hat die Qualität und eine Art von „handwerklicher Substanz“, wie es das Entwickeln im eigenen Labor hatte. Der „Schärfesprung“ ist eine Sinneswahrnehmung, vergleichbar mit dem Erspähen des sich entwickelnden Bildes in der Laborschale. Alles nicht mehr nachvollziehbar für diejenigen, die es nicht selbst erleben oder selbst erlebt haben.

Dass die Spiegelreflexkamerahersteller selbst am Grab des Spiegelreflexprinzips schaufeln, ist vielleicht verständlich. Schließlich liegen die Kameras von Morgen ohne Spiegel und mit elektronischen Suchern schon lange ausentwickelt in der Schublade und dass sie noch nicht auf dem Markt sind, hat eher mit dem 1-2-jährigem Zyklus des „ich muss wieder etwas Neues auf den Markt werfen“ zu tun haben als mit unausgereiften Konzepten.

Den Umstieg leicht machen sie aber auch, weil sie seit Jahren – zumindest bei Pentax – Mattscheiben in ihre hochpreisigen Apparate einbauen, die diesen Namen kaum noch verdienen. Mit dem „falschen“ Objektiv (z.B. einem 1,4/85mm von Zeiss) ist es kaum möglich im Bereich von einigen Metern bis kurz vor Unendlich bei offener Blende sauber zu fokussieren, weil die Schärfe auf der Mattscheibe nicht präzise zu beurteilen ist. Zu dunkel das Bild, zu unpräzise die Abbildung auf der Mattscheibe, natürlich gibt es solchen „Luxus“ wie einen Schnittbildindikator nicht mehr. Kurzum: im Vergleich zu den „alten“ SLRs ein Trauerspiel und vermutlich den Marketing-Leuten bei Pentax auch herzlich egal.

Praktischerweise nehmen sich des Problems Drittanbieter an – und beweisen damit das Vorhandensein der Wunde. Katz Eye* ist wohl der Bekannteste, immerhin die Möglichkeit sich selbst zu helfen.

* Dieser Beitrag ist nicht von irgend jemandem gesponsort ,daher kein Link. Kann sein, dass es verschiedene Anbieter gibt. Gerne auch Hinweise in den Kommentaren.

Norman Seeff Ausstellung in Mannheim bis 25. Januar 2015

Frank Zappy by Norman Seeff - Ausstellung in Mannheim

 

Künstlerporträts von Patti Smith bis Ray Charles -Norman Seeff-Ausstellung in Mannheim

Noch bis zum 25. Januar 2015 kommen in Mannheim sowohl Liebhaber klassischer Schwarz-Weiß- Fotografie als auch Jazz- und Rockmusik-Fans auf ihre Kosten.

ZEPHYR – Raum für Fotografie der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zeigt weltweit erstmals eine umfangreiche Präsentation mit Werken von Norman Seeff. Er zählt seit mehreren Jahrzehnten zu den berühmtesten Porträtfotografen der USA und lichtete viele Größen des Showbiz in seiner unnachahmlichen Weise ab.

Die Ausstellung „The Look of Sound“ vereint mehr als 150 Künstlerporträts, darunter größtenteils originale Vintage Prints. Die Besucher stehen dem Who is Who der Musikszene in den 1960er bis 1980er Jahren gegenüber. Neben Musiklegenden wie Patti Smith, Tina Turner, Michael Jackson, den Rolling Stones, Johnny Cash, Ray Charles, Miles Davis und Frank Zappa setzte Seeff zudem Persönlichkeiten wie den Pop-Art-Künstler Andy Warhol, Apple-Mitgründer Steve Jobs und den Dirigenten Zubin Mehta in Szene.

Norman Seeff wurde 1939 in Südafrika geboren. Er trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und arbeitete mehrere Jahre als Arzt. Ohne eine künstlerische Ausbildung wanderte Seeff Ende der 1960er Jahre in die USA aus und versuchte sich dort als Fotograf durchzuschlagen. Bereits mit seinem ersten Auftrag schaffte er den Durchbruch: Seine Arbeit für das Album „Stage Fright“ von „The Band“ wurde als Poster produziert und war bald ein begehrtes Sammlerstück. Rasch stieg er zu einem Star der Fotografenszene auf und wurde schließlich Artdirector von United Artists und dem Jazzlabel Blue Note.

Seeff setzt auf Spontanität. Es gelingt ihm, dass die Porträtierten die Kamera vergessen. Er baut eine persönliche Beziehung zu seinem Gegenüber auf, die sich auf seine Fotografien überträgt. Er unterhält sich mit ihnen, lässt sie tanzen und singen. In seinen Bildern ist die unmittelbare und ungezwungene Nähe spürbar.

Seeff ließ die Fotoshootings häufig filmen und fragte die Porträtierten, was ihnen Kreativität bedeutet. Ganz darauf konzentriert, fotografiert zu werden, antworteten sie unbefangen, spontan und frei. Die Mitschnitte gewähren einen überraschenden Blick in die Seele der Künstler und lassen den Betrachter an der Arbeit des Fotografen mit seinen Modellen teilhaben. Aus diesen Gesprächen entstand auf zahllosen Filmrollen ein einzigartiges Dokument. In der Ausstellung sind auf 20 Monitoren Auszüge zu sehen. Teilweise wurden die Filme erst jetzt entwickelt. Viele der Interviews wurden noch nie zuvor gezeigt.

Der Katalog zu „The Look of Sound“ erscheint im Kehrer Verlag.

www.rem-mannheim.de / www.zephyr-mannheim.de

28.09.2014 – 25.01.2015

ZEPHYR – Raum für Fotografie
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Museum Bassermannhaus C4,9