Bilder hinterfragt: McAllister Wahlplakat in Niedersachsen 2012

McAllister_Wahlplakat

Wie schön: Wahlkampfzeit. Eine exzellente Gelegenheit, sich an verlogenen Bildaussagen zu erfreuen. Fotos, die sich mit darüber gelegten Textaussagen an die Augen heranwanzen und oft von einer wunderbaren, unfreiwiligen Komik sind. In diesem Fall geht es um Herrn McAllister im Landtagswahlkampf Niedersachsen 2013.

Der Slogan “In guten Händen” wird mit einem Handschlag bebildert. Der Symbolkraft dieses Handschlags wird jedoch nicht recht getraut und daher wird die Geste mit dem Pferdchen aus dem Landeswappen und dem CDU-Logo zugekleistert. Eine eher weise Entscheidung, denn dieser Händedruck ist nichts als eine hohle Geste, vor allem in Kontext des Blicks von McAllister. Der zielt keineswegs auf ein Gegenüber, sondern ins Weite. Sollte jemand mit einem solchen Blick jemals Ihre Hand schütteln, so können Sie gewiss sein, dass derjenige mit seinen Gedanken irgendwo, mit Sicherheit nicht bei Ihnen ist.

In diesem Fall mag der Blick auf das große Ziel des Wahlsiegs gerichtet sein, und der geht ins Leere.

Dazu passend das Zahnpasta- tja, soll man es wirklich “Lächeln” nennen? Wir sehen das Paradebeispiel eines klassischen Politikerlächelns ohne Bezug zu einer Situation, dafür mit Beteiligung gerade einmal der allernötigsten Gesichtsmuskeln rund um den Mund herum, um wenigstens ein lächelähnliches Ergebnis zu erreichen. Es ist die Sorte “Lächeln”, die schneller verlischt als das Fotolicht abgeschaltet ist.

Apropos Fotolicht: gut ausgeleuchtet ist das Bild schon. Das Gesicht gut konturiert und ordentlich schmal gehalten durch das seitlich von hinten plazierte Effektlicht; der Schädel durch ausgewogenes Spiel mit Schärfe und Unschärfe gegen den Hintergrund abgehoben und das Gesicht mit einem gut plazierten Hauptlicht ausgezeichnet ausgeleuchtet. Handwerklich tadellos gemacht. Trotzdem unterstützt auch die Lichtinszenierung nicht mehr als eine künstliche Stimmung, die vor allem eine Botschaft transportiert: wir haben es mit einem aalglatten Politiker zu tun, der weit entrückt von normalen Bürgern (ja,ja was immer das sein mag) agiert.

Ganz wesentlich zu diesem Politikerbildnis trägt eine Darstellung bei, von der schwer zu sagen ist, ob sie eher mit Schminke oder mit Photoshop-Nachbearbeitung erzeugt wird. „Makellosigkeit“ ist die angestrebte Bildwirkung. Da ist alles wohlkonturiert, die Lippen glänzen leicht glossig, die Zähne leuchten weiß ins Land, die Haut hat einen Teint um den viele junge Mädchen Herrn McAllister beneiden mögen. Ein Model im Business-Look, nur dass die Fotografen solcher Business-Situationen längst wissen, wie wichtig es ist, einen natürlichen Schein zu bewahren.

Dieses Wahlkampf-Motiv von David McAllister wird als Riesenplakat in Niedersachsen auf einer Fläche von satten 224 Quadratmetern abgebildet und es atmet mehr als einen Hauch von Nordkorea. Der große Führer Kim McAllister blickt ins Land seiner Untertanen. Ein potemkinscher Politiker, hinter dessen maskenhafter Fassade man bestenfalls ein großes Nichts erwartet und in dessen “gute Hände” ich persönlich nicht fallen möchte.

Bilder hinterfragt: Seehofer in der BILD

Foto: Seehofer in BILD

Bildzitat: BILD

Hui, welch ein Schnappschuss!

Möchte man glauben. Ideal, wie der Fotograf hier für die BILD-Zeitung einen Seehofer-Moment auf den Chip gebannt hat. Entschlossener Blick zum Gesprächspartner, das geflügelte Wort vom “auf den Tisch hauen” mit Dramatik ins Bild gesetzt. Bildunterschrift “Wenn er es für richtig hält, dann poltert er los und haut auch gern mal mit der Faust auf den Tisch: Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Horst Seehofer (62) am Mittwoch in der Staatskanzlei in München”.

Nett inszeniert, mit offensichtlich mindestens zwei Studioblitzen und klarer Regieführung: “Herr Seehofer, mag ja etwas ungemütlich sein aber der linke Arm muss jetzt für eine ordentliche Komposition gerade auf den Tisch.”

Das Glas – mit Wasser! Wo ist eigentlich die Lobby der Bierbrauer in Bayern, wenn man sie braucht? – wird durch den wuchtigen Faustschlag Seehofers derart in Bewegung versetzt, dass die Fontäne dramatisch in ungeahnte Höhen spritzt. Toll. Man möchte sofort am heimischen Tisch diesen Effekt nachvollziehen. Allein, selbst am billigen Ikea-Tisch gelingt das nicht so recht, es bräuchte schon ein Modell mit dem Schwingungsverhalten eines Trampolins. Oder die Faust eines Titanen und selbst dann wäre es eher um den Tisch geschehen.

Realistisch könnte das Bild also durch dynamisches Umkippen des Glases entstanden sein – das passt aber nicht zur niederfallenden, geballten Faust von Seehofer.

Fazit: montiert, gefälscht, gelogen. Aber im Interview ist gewiss alles “total echt”…

Bilder hinterfragt: CDU Wahlplakat

Wahlplakat der CDU - Foto

 Zu diesem Wahlplakat habe ich schon vor Jahren mal einen bösen Kommentar geschrieben. Gerade auf der Festplatte wiederentdeckt und dieses klebrig gestellte Motiv begeistert mich noch heute. Auf der einen Seite das Bemühen möglichst viel potentielles Stimmvieh aufs Bild zu hieven (jung-dynamisches Pärchen, Arbeiter, Alte, Baby – OK, letzteres noch nicht wahlberechtigt) und dann trotzdem – wohl eher ungewollt – die schöne CDU-Symbolik: der angehende Jungunternehmer samt hübschem Anhängsel ist mit dem Herrn Bundestagsabgeordneten im gestelltem Gespräch – man beachte auch die kommunikative Geste – während der Arbeiter (schaut schon etwas bedröppelt) mit dem Baby im Arm und die “Oma”, die immerhin bewundernd in Richtung des Volksvertreters schauen darf, aus Sicht des Herrn Politiker links liegen gelassen werden. Bilder sagen eben manchmal doch mehr als viele Worte: in diesem Fall die adäquate Bebilderung verlogener Politik.